Von wegen Pause! Warum wir über die Wechseljahre sprechen müssen
Die Wechseljahre sind ein natürlicher Lebensabschnitt. Trotzdem fehlt es vielen Menschen an Wissen, medizinischer Unterstützung und Möglichkeiten, offen darüber zu sprechen. Das Policy Paper „Gleichberechtigt in den Wechseljahren“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt: Wechseljahre sind auch eine Frage der Gleichstellung. Besonders wichtig ist dabei, ob Menschen unabhängig von Wohnort, Einkommen und Sprache Zugang zu Information und Unterstützung haben.
Wechseljahre beginnen früher, als viele denken
Rund elf Millionen Frauen in Deutschland befinden sich aktuell in den Wechseljahren. Etwa jede dritte betroffene Frau berichtet von teils erheblichen Belastungen im Berufsleben. Trotzdem sind Wechseljahre vielerorts noch ein Tabuthema – besonders am Arbeitsplatz.
Dabei beginnt die hormonelle Umstellung häufig lange vor der letzten Menstruation. Das Policy Paper beschreibt, dass der Progesteronspiegel bereits ab etwa 35 Jahren und der Östrogenspiegel ab etwa 40 Jahren sinken kann. Die letzte Menstruation tritt meist zwischen 45 und 55 Jahren ein. Die Jahre davor werden als Perimenopause bezeichnet. Beschwerden wie Schlafprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten können schrittweise auftreten und werden nicht immer mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht.
Umso wichtiger ist verständliche Aufklärung, die frühzeitig ansetzt und unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt.
Wenn Sprache zur Barriere wird
Nicht alle Menschen erreichen die vorhandenen Informationen und Angebote gleichermaßen. Fehlende mehrsprachige Materialien, Sprachbarrieren und unzureichend auf die Wechseljahre vorbereitete medizinische Fachkräfte können dazu führen, dass Beschwerden nicht erkannt oder nicht angemessen behandelt werden.
Es braucht deshalb Informationen in verständlicher Sprache und bei Bedarf in mehreren Sprachen. Auch medizinisches Personal muss besser für die Wechseljahre und unterschiedliche Unterstützungsbedarfe sensibilisiert werden. Entscheidend ist, dass Menschen mit ihren Fragen ernst genommen werden – unabhängig von ihrer Herkunft oder ihren Sprachkenntnissen.

Wechseljahre auf dem Land: Wenn Unterstützung weit entfernt ist
Gerade in ländlichen Regionen können lange Wege zu Arztpraxen und eine geringere Auswahl an Fachärzt*innen den Zugang zu Beratung und Behandlung erschweren. Für Brandenburg stellt sich daher die Frage: Werden Menschen in allen Regionen mit ihren Fragen zu den Wechseljahren ausreichend erreicht – und welche Angebote fehlen vor Ort?
Das Policy Paper verweist auf die Bedeutung lokaler Anlaufstellen und niedrigschwelliger Begegnungsangebote. Frauenberatungsstellen, Vereine und andere lokale Strukturen könnten Räume schaffen, in denen Wissen vermittelt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Telemedizin kann ergänzen, ersetzt aber nicht überall die persönliche Beratung.
Wie gut die Versorgung in den einzelnen Regionen Brandenburgs tatsächlich ist, muss genauer untersucht werden. Dafür braucht es den Blick auf die Bedingungen vor Ort und auf die Menschen, die von bestehenden Angeboten bislang nicht erreicht werden.
Gleichstellung braucht konkrete Veränderungen
Das policy Paper fordert unter anderem mehr Aufklärung, bessere medizinische Versorgung, stärkere Forschung und wechseljahresfreundliche Arbeitsbedingungen. Denn wenn Beschwerden am Arbeitsplatz tabuisiert oder nicht ernst genommen werden, kann das berufliche Entwicklung und Teilhabe beeinträchtigen.
Arbeitgebende müssen Rahmenbedingungen schaffen, in denen Beschäftigte offen über gesundheitliche Bedürfnisse sprechen können. Politik und Verwaltung sind gefragt, Informations- und Unterstützungsangebote zugänglich zu machen und Versorgungslücken sichtbar zu machen.
Für den Frauenpolitischen Rat Land Brandenburg e.V. ist klar: Wechseljahre dürfen kein Tabu sein. Und Unterstützung darf keine Frage der Sprache, des Einkommens oder des Wohnorts sein.
Das Policy Paper der Antidiskriminierungsstelle des Bundes „Gleichberechtigt in den Wechseljahren“ findet sich hier.
Weitere aktuelle Quellen finden sich hier.


