Gemeinsam Verantwortung übernehmen: Frauenpolitischer Runder Tisch neu belebt

Posted by on Sep. 25, 2026 in Allgemein

Mehr als drei Jahrzehnte nachdem sich aus einem Frauenpolitischen Runden Tisch der Frauenpolitische Rat Land Brandenburg e.V. gründete, wurde dieses Format am 23. September 2026 neu belebt. Im *innenRaum am Alten Markt in Potsdam kamen Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, Verbänden der Zivilgesellschaft zusammen, um aktuelle Herausforderungen der Gleichstellungspolitik zu diskutieren und gemeinsame Perspektiven für Brandenburg zu entwickeln.
Der Frauenpolitische Rat bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden für den offenen, konstruktiven und engagierten Austausch. Unser besonderer Dank gilt Dr. Johannes Wagner, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, der Landesgleichstellungsbeauftragten Dr.in Uta Kletzing sowie den anwesenden Landtagsabgeordneten und Vertreter*innen der demokratischen Parteien. Ihre Teilnahme hat gezeigt, wie wichtig der direkte Dialog zwischen Politik und Zivilgesellschaft ist.

Gleichstellung entsteht nicht von allein

Es braucht politische Entscheidungen, fachliche Expertise, gesellschaftliches Engagement und starke Bündnisse, um Gleichstellung in allen Bereichen zu stärken. Gerade in Zeiten, in denen gleichstellungspolitische Errungenschaften zunehmend unter Druck geraten, ist der Austausch zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen wichtiger denn je. Bereits zu Beginn des Treffens wurde deutlich: Gleichstellungspolitik darf nicht als Nischenthema verstanden werden, sondern muss als selbstverständlicher Bestandteil aller Politikfelder fest verankert werden.
Grundlage vieler Diskussionen war der aktuelle Gleichstellungsdatenreport des Landes Brandenburg. Die vorgestellten Zahlen machen sichtbar, dass Geschlechtergerechtigkeit weit über einzelne Politikbereiche hinausreicht. Themen wie die Abwanderung junger Frauen aus ländlichen Regionen, die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit, wirtschaftliche Eigenständigkeit, politische Teilhabe, geschlechtsspezifische Gewalt oder die Auswirkungen tradierter Rollenbilder prägen die Lebensrealitäten der Menschen in Brandenburg.

Gleichstellung ist eine Querschnittsaufgabe

Im Verlauf des Tages wurde von allen Beteiligten bestärkt, dass Gleichstellungspolitik als Querschnittsaufgabe verstanden werden muss. Fragen der Bildung, der Arbeitswelt, der Gesundheitsversorgung, der Familienpolitik, der kommunalen Entwicklung oder der Gewaltprävention lassen sich nicht losgelöst von Geschlechtergerechtigkeit betrachten. Gleichstellung betrifft die gesamte Gesellschaft und kann nur erreicht werden, wenn auch Männer, Institutionen und politische Entscheidungsträger*innen Verantwortung übernehmen. Es ist jedoch auffallend und problematisch, dass vor allem Frauen* und Mädchen* diese Gleichstellung einfordern.
Besonders präsent waren die Themen Prävention und verlässliche Strukturen. Ob Gewaltschutz, Familienbildung, Mädchen*- und Jungen*arbeit, digitale Gewalt oder Kinderbetreuung – in vielen Beiträgen wurde deutlich, dass gesellschaftliche Herausforderungen nicht erst dann bearbeitet werden dürfen, wenn sie bereits eskaliert sind. Gleichzeitig braucht wirksame Gleichstellungsarbeit langfristige Planungssicherheit, ausreichend Ressourcen und den Erhalt bestehender Unterstützungsstrukturen. Wir konnten festhalten: Investitionen in die Gleichstellung heute verhindern hohe Folgekosten morgen.

Gleichstellung ist für Alle wichtig

Ein weiterer roter Faden durch die Diskussion war die nicht neue Erkenntnis, dass Gleichstellung allen zugutekommt. Sie stärkt demokratische Teilhabe, verbessert Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land, schafft wirtschaftliche Potenziale und fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gleichstellungspolitik ist deshalb kein Sonderinteresse einzelner Gruppen, sondern eine Zukunftsaufgabe für das gesamte Land Brandenburg.

Wie geht es weiter mit dem Frauenpolitischen Runden Tisch?

Besonders erfreulich war die große Bereitschaft aller Beteiligten, den begonnenen Dialog fortzuführen. Zum Abschluss wurde vereinbart, den Frauenpolitischen Runden Tisch künftig regelmäßig ein bis zwei Mal im Jahr in einer solchen Konstellation stattfinden zu lassen und dabei jeweils zentrale gleichstellungspolitische Schwerpunktthemen vertieft zu bearbeiten. Damit wurde nicht nur ein wichtiges historisches Format wiederbelebt, sondern zugleich ein klares Signal für mehr Zusammenarbeit, Verbindlichkeit und gemeinsames Handeln gesetzt.
Der Frauenpolitische Rat Land Brandenburg freut sich auf die Fortsetzung dieses Austauschs. In einem Punkt herrschte Einigkeit: Gleichstellung betrifft uns alle. Und sie gelingt nur gemeinsam.