Vielfalt verteidigen heißt Demokratie verteidigen: Zum IDAHOBIT und der Fahnenhissung am Brandenburger Landtag am 18. Mai 2026

Anlässlich des gestrigen IDAHOBIT – dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Queerfeindlichkeit – wurde vor dem Brandenburger Landtag die Regenbogenflagge gehisst.
Ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Solidarität und Menschenrechte. Doch Sichtbarkeit allein reicht nicht. Gerade in Zeiten zunehmender Anfeindungen braucht es Haltung, Schutzräume und eine klare politische Positionierung.
Deutlich ist: Queerpolitische Kämpfe und Frauenpolitische Anliegen gehören zusammen.
Denn überall dort, wo Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Geschlechtsidentität, ihrer sexuellen Orientierung oder aufgrund gesellschaftlicher Zuschreibungen diskriminiert werden, wirken ähnliche Mechanismen von Ausgrenzung, Kontrolle und Abwertung. Wer gegen Gleichstellung von Frauen mobilisiert, greift häufig auch die Rechte queerer Menschen an. Wer Vielfalt infrage stellt, stellt demokratische Teilhabe insgesamt infrage.
Landtagspräsidentin Dr.in Ulrike Liedtke erinnerte in ihrer Ansprache daran, dass es den Regenbogen schon immer gab, mal sichtbarer, mal weniger sichtbar. Ein starkes Bild dafür, dass Vielfalt nichts Neues, nichts Fremdes und schon gar keine gesellschaftliche Modeerscheinung ist. Sie gehört zur Natur, zu unserer Gesellschaft und zu unserem Zusammenleben.
Auch Brandenburgs Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt René Wilke fand klare Worte: Nicht der Regenbogen sei das Problem, sondern diejenigen Menschen, die ihn zum Problem machten. In einer Zeit, in der queerfeindliche Gewalt zunimmt und antifeministische Narrative an Lautstärke gewinnen, ist diese Botschaft wichtiger denn je: Den Mut nicht verlieren.
Dass Angriffe auf Minderheiten nie isoliert betrachtet werden dürfen, machte Florian Winkler-Schwarz, Geschäftsführer des LSVD Berlin-Brandenburg e.V., deutlich. Feinde der Demokratie, so seine Mahnung, beginnen stets mit Minderheiten – doch ihr Hass ende dort nicht. Diese Beobachtung ist historisch ebenso belegbar wie gegenwärtig spürbar. Demokratie wird daran gemessen, wie sie ihre verletzlichsten Gruppen schützt.
Auch Lars Bergmann von Andersartig e.V. benannte das erschreckende Ausmaß von Hass und Hetze, das insbesondere Migrant*innen, Frauen und queere Menschen trifft. Dass diese Gruppen so häufig Zielscheibe werden, ist kein Zufall. Es sind dieselben menschenfeindlichen Ideologien, die Vielfalt ablehnen, Gleichstellung bekämpfen und gesellschaftliche Teilhabe beschneiden wollen. Seine abschließenden Worte bleiben im Gedächtnis: „Möge die Vielfalt mit uns sein.“
Dieser Tag bedeutet mehr als Symbolik. Der Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit endet nicht bei Frauenrechten und Queerpolitik ist kein Nebenschauplatz. Feministische Politik ist dann wirksam, wenn sie intersektional ist, wenn sie unterschiedliche Lebensrealitäten zusammendenkt und sich gegen jede Form von Diskriminierung stellt.
Gerade jetzt braucht es Bündnisse statt Abgrenzung. Denn wer die Rechte von Frauen angreift, greift oft auch queere Menschen an. Wer queere Sichtbarkeit bekämpft, kämpft selten nur gegen eine Minderheit. Und wer Menschen gegeneinander ausspielt, gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt.
Der Regenbogen gehört zu unserer Gesellschaft. Nicht mal sichtbarer, mal weniger – sondern dauerhaft, selbstverständlich und geschützt.
Möge die Vielfalt mit uns sein.


