Statement zur Glosse zum Frauenstammtisch in Teltow

Posted by on Juli 21, 2025 in Allgemein

Normalerweise freuen wir uns ja, wenn sich Vertreter*innen der Presse Zeit nehmen, sich mit unseren Themen und Veranstaltungen auseinanderzusetzen. Normalerweise. Aber von Anfang:

Am 14. Juli fand im Familienzentrum Philantow in Teltow ein Frauenstammtisch statt, zu dem unter anderem unsere Mitarbeitende Gesche Andert eingeladen war. Das Ziel: in vertrauensvoller Atmosphäre über frauenpolitische Fragen in Brandenburg ins Gespräch kommen – parteiübergreifend, offen, diskriminierungssensibel.

Eine satirisch gemeinte Glosse des Bäkecouriers hat dieses Treffen nun zum Anlass genommen, um mit spöttischen Kommentaren feministische und antidiskriminierende Arbeit ins Lächerliche zu ziehen. Das Statement von Bildet Banden TKS ordnet ein:

Sehr geehrter Herr Kümpel,

Ihre Kolumne – wenn man sie denn so nennen kann – beginnt als harmloser Spaziergang durch den Wald der politischen Meinungsvielfalt und landet irgendwo zwischen rechter Stammtischparole, sublimiertem Rassismus und einer fast charmanten Verwirrung über alles, was mit Geschlechtergleichstellung zu tun hat. Respekt! Sie haben in einer einzigen Kolumne das Triple geschafft: Feministinnen diskreditieren, Menschen mit trans Identitäten entmenschlichen und sich auch noch über muslimische Studierende lustig machen. Das ist Talent – oder, mit anderen Worten: eine Lektion in Vorurteilen 2.0.

Das Philantow ist ein Ort, an dem sich Menschen wohlfühlen dürfen, und das macht Sie nervös? Vielleicht, weil dort keine billigen Witze auf Kosten „hässlicher Feministinnen“ serviert werden, sondern tatsächliche soziale Probleme auf den Tisch kommen. Und wenn Fronten gezogen werden und Menschen sich zusammenschließen, um über Frauenrechte oder Gleichstellung zu diskutieren, ist das nichts, wovor man Angst haben muss – es sei denn, man hat Angst vor Frauen, die selbstständig denken, intelligentem Diskurs und demokratischer Teilhabe.

Okay, Ihre Schüler haben vielleicht gelacht. Oder Sie haben ihnen das Lachen in den Mund gelegt, weil es so gut in Ihr Narrativ passt. Vielleicht ist in Ihren Augen eine Frau, die für ihre Rechte kämpft, nur dann respektabel, wenn sie „passabel aussieht“. Aber seien Sie unbesorgt: Feminismus war nie ein Schönheitswettbewerb. Nicht wie manche Lehrergespräche.

Und dann ist da noch Ihr kleiner Seitenhieb auf Transmenschen – in einer pubertären „hihi!“-Art von Scherz. Das Bild anderer Menschen in ein Modell der Polemik zu verwandeln, ist kein Ausdruck von Meinungsfreiheit, sondern einfach eine leichte Provokation. Transfeindlichkeit wird nicht dadurch legitimer, dass es einzelne Personen gibt, die ein Gesetz vielleicht aus anderen Motiven heraus nutzen. Eine ganze Bewegung deswegen abzutun, zeigt vor allem, dass Sie nie verstanden haben, worum es beim Selbstbestimmungsgesetz letztlich geht: Würde. Schutz. Sichtbarkeit. Menschlichkeit.

Sie schließen mit einer schnippischen Empfehlung, „jemanden rüberzuschicken“ zu syrischen und afghanischen Flüchtlingen – vermutlich in der Hoffnung, dass sie „dann mit neuen Augen sehen“. Was Sie dabei übersehen: Das sind Menschen, die vor Krieg, Gewalt und patriarchaler Unterdrückung geflohen sind. Viele von ihnen wissen sehr wohl, dass Gleichstellung eine Frage von Leben und Tod ist.

Fazit:
In einer Kolumne darf es bissig zugehen. Aber man darf den Biss nicht im Dienste der Wahrheit abschwächen. Ihrer war mehr ein Schnappen ins Leere – voller Feindbilder, aber arm an konkreter Begründung.

Mit freundlichen Grüßen,
eine Feministin (mit Brille, aber sonst ganz passabel)


Satire darf viel – aber sie verliert ihren Wert, wenn sie sich auf das Verdrehen von Fakten und das Lächerlichmachen von Minderheiten oder demokratischer Zivilgesellschaft beschränkt. Unser Frauenstammtisch war ein Ort des Austauschs, der Ermutigung und des konstruktiven Dialogs. Dass solche Räume nötig bleiben, zeigt die Glosse unfreiwillig sehr deutlich.

ℹ️ Mehr erfahren?

👉 Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“
👉 Fachstelle Gender, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus – Amadeu Antonio Stiftung
👉Bundesstiftung Gleichstellung