Von der Wut zur Kraft – Rückblick auf die Auftaktveranstaltung der 36. Brandenburgischen Frauenwochen

Posted by on März 11, 2026 in Allgemein

Fotos: Stefanie Kuhlisch

Bad Belzig, 5. März 2026 | Strahlender Sonnenschein, 80 Angemeldete und ein festlicher Saal im Kulturzentrum Bad Belzig: Die landesweite Auftaktveranstaltung der 36. Brandenburgischen Frauenwochen hätte kaum einen schöneren Rahmen finden können. Unter dem Motto „WTF – Wut trifft Feminismus“ versammelten sich engagierte Menschen aus der Gleichstellungsarbeit, der Politik, der Kunst und der Zivilgesellschaft, um gemeinsam zu fragen: Was tun wir mit unserer Wut – und wie wird daraus Mut?

Ein Auftakt im Land – gemeinsam mit starken Partner*innen vor Ort

Die Auftaktveranstaltung der Brandenburgischen Frauenwochen wechselt traditionell zwischen Potsdam und einem Ort im Land. Dieses Jahr war Bad Belzig Gastgeberin – und das war kein Zufall. Die Kooperation mit der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Dr.in Fatma Haron, hat diese Veranstaltung erst möglich gemacht. Ihr Netzwerk, ihre Kontakte und ihr Engagement vor Ort haben dafür gesorgt, dass sich die Region mit einbringt und sichtbar wird. Dafür ein herzliches Dankeschön.

Ebenfalls mit dabei: das Landesbüro Brandenburg der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Zusammenarbeit mit der FES besteht seit vielen Jahren für unseren Auftakt – wir schätzen das Vertrauen und die verlässliche Unterstützung sehr. Unser Dank gilt Urban Überschär, dem Leiter des Landesbüros, der die Veranstaltung auch mit einem Grußwort eröffnet hat.

Gefördert wurde die Veranstaltung aus Mitteln der Landesgleichstellungsbeauftragten Dr.in Uta Kletzing, die auch selbst mit Schlussworten dabei war – und an diesem Tag in Vertretung von Ministerin Britta Müller das Grußwort sprach, die leider kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Unser herzlicher Dank gilt ebenso Landrat Marko Köhler, der mit seinem Grußwort die Verbundenheit des Landkreises mit dem Thema Gleichstellung deutlich machte.

Einfach Sprechen – mehr als nur Barrierefreiheit

Durch den Tag führte Manuela Schulz von Einfach Sprechen – in leichter Sprache. Diese Entscheidung war mehr als ein Zeichen der Barrierefreiheit. Sie war eine Einladung: eine Erinnerung daran, wie viel wir gewinnen können, wenn wir unsere Sprache öffnen. Gleichstellungsarbeit lebt von Fachkenntnis und Expertise – und zugleich davon, diese Expertise ins Gespräch zu bringen, auch mit Menschen, die nicht täglich in diesem Feld unterwegs sind. Leichte Sprache ist kein Verzicht auf Tiefe, sondern ein Weg, mehr Menschen zu erreichen und wirklich mitzunehmen.

Ebenso wichtig: Die Simultanübersetzung ins Englische ermöglichte es, Sprachbarrieren zu überwinden und die Diskussionen für noch mehr Menschen zu öffnen. Wir danken Marianne Ballé Moudoumbou und der Förderung, die dieses Angebot erst möglich gemacht hat.

Wut in Bewegung – der interaktive Austausch

Den Übergang in den interaktiven Teil gestaltete der Kurzfilm Hysteria (2021). Der Film – zwischen beklemmender Darstellung sexueller Belästigung und befreiender Ermächtigung am Ende – legte die Stimmung frei, die den Rest des Tages trug. Manuela Schulz fing diese Schwere sensibel auf und lud alle ein, das Gefühl der Wut in Bewegung zu verwandeln – wörtlich wie übertragen.

An verschiedenen Stationen konnten die Teilnehmer*innen Haikus schreiben, Collagen gestalten, aktuelle Schlagzeilen einordnen und gleichstellungspolitische Schlagzeilen von morgen erdichten. Nicht das fertige Produkt stand dabei im Mittelpunkt, sondern das Gespräch – mit bekannten Gesichtern und neuen Begegnungen. Die Menschen ließen sich darauf ein. Das Summen im Raum war spürbar.

„Wie wird aus Wut Mut?“ – Ein Panel, das Raum ließ für das Echte

Das Herzstück der Veranstaltung war die Podiumsdiskussion mit lokalen und regionalen Stimmen: Melanie Balzer (MdL SPD, Potsdam-Mittelmark), Dr.in Fatma Haron (Gleichstellungsbeauftragte Potsdam-Mittelmark), Anke Polkowski (Leitung der AWO Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen PM und Mitglied im Behindertenbeirat PM) sowie Patricia Vester, Künstlerin aus Potsdam.

Was dieses Panel besonders gemacht hat: Es durfte verletzlich sein. Es wurden keine fertigen Antworten präsentiert, sondern durchaus persönliche Einblicke aus dem Leben, der Arbeit und dem Engagement der Panelistinnen geteilt, Anekdoten erzählt, Widersprüche ausgehalten. Das Panel erinnerte daran, dass Solidarität kein abstraktes Konzept ist, sondern die Grundlage für ein gelingendes Miteinander. Dass Wut zu besprechen bereits der erste Schritt zur Überwindung von Ungerechtigkeiten sein kann. Und dass Wut – so oft als unliebsame Emotion, besonders bei Frauen, geächtet – dazu gehört. Dass sie stärken kann. Dass sie ihren Platz verdient.

Abschluss mit Brigitte Reimann

Den Abschluss bildete die szenische Lesung „Die Unvollendete“ von Inés Burdow – eine eindrückliche Annäherung an Leben und Wirken der Schriftstellerin Brigitte Reimann. Eine Erinnerung daran, welche Kraft und Wirkung in Frauenbiografien steckt und wie viele solcher Leben noch darauf warten, entdeckt und erzählt zu werden. Ein kraftvoller Abgang für einen kraftvollen Tag.

Start in die 36. BFW: Wut ist der Anfang. Mut ist das Ziel.

Die 36. Brandenburgischen Frauenwochen haben begonnen.
Wut ist der Anfang. Mut ist das Ziel. Und der Weg dazwischen, das sind wir alle, gemeinsam.

Wir danken allen Beteiligten, Kooperationspartner*innen, Gästen und Unterstützer*innen. Es war ein Auftakt, der bleibt.


Veranstaltet vom Frauenpolitischen Rat Land Brandenburg e.V.  und dem Beirat der Brandenburgischen Frauenwochen mit Vetreter*innen aus den Mitgliedsorganisationen des FPR, in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Potsdam-Mittelmark Dr.in Fatma Haron und dem Landesbüro Brandenburg der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Gefördert aus Mitteln der Landesgleichstellungsbeauftragten Dr.in Uta Kletzing.

Fotos: Stefanie Kuhlisch