WTF – Wut trifft Feminismus: Warum dieses Motto wichtig ist
Die Brandenburgischen Frauenwochen leben seit Jahrzehnten von Engagement, Vielfalt und der gemeinsamen Arbeit für Gleichberechtigung. Sie sind ein Raum für Austausch, für unterschiedliche Perspektiven – und auch für Diskussionen. Dass das diesjährige Motto „WTF – Wut trifft Feminismus“ Irritationen auslöst, nehmen wir ernst. Gerade deshalb möchten wir erläutern, warum wir dieses Motto gewählt haben und was es ausdrücken soll.
Zunächst möchten wir eines deutlich sagen: Das langjährige Engagement vieler Kommunen, Initiativen und Gleichstellungsbeauftragten – insbesondere auch für marginalisierte Frauen und Mädchen – ist von unschätzbarem Wert. Es bildet das Fundament der Brandenburgischen Frauenwochen und steht beispielhaft für das, was solidarische Gleichstellungspolitik leisten kann.
Wut als Tabu – besonders weibliche Wut
Wut ist gesellschaftlich stark aufgeladen. Sie gilt schnell als unangemessen, gefährlich oder destruktiv – insbesondere dann, wenn sie von Frauen oder marginalisierten Gruppen geäußert wird. Weibliche Wut wird häufig delegitimiert, pathologisiert oder als unsachlich abgetan. Genau hier setzt das Motto an.
Die Handreichung zum Motto versteht Wut nicht als Selbstzweck, nicht als gegen Menschen gerichtete Emotion und ausdrücklich nicht als Legitimation für Hass, Gewalt oder Spaltung. Vielmehr begreifen wir Wut als eine nachvollziehbare Reaktion auf erlebte Ungerechtigkeit: auf Diskriminierung, Gewalt, antifeministische Angriffe und den fortschreitenden Abbau gleichstellungspolitischer Strukturen.
Viele der aktuellen Entwicklungen – Angriffe auf Vielfalt, Bedrohungen von Beratungsstellen, die Verrohung des politischen Tons – zeigen, dass insbesondere Frauen und marginalisierte Gruppen zunehmend unter Druck geraten. Diese Erfahrungen machen etwas mit Menschen. Darüber nicht zu sprechen, hieße, sie zu individualisieren und zu verschweigen.
Wut als Ausgangspunkt für Dialog – nicht für Polarisierung
In den Brandenburgischen Frauenwochen wird Wut deshalb als Ausgangspunkt verstanden, nicht als Endpunkt. Als Motor, um Missstände zu benennen, Erfahrungen zu teilen und solidarische Räume zu öffnen. Als Impuls, um Vereinzelung entgegenzuwirken, demokratische Teilhabe zu stärken und ins Gespräch zu kommen – gerade dort, wo es unbequem wird.
Das Ziel ist nicht Eskalation, sondern genau das Gegenteil: Dialog, Zuhören und Verständigung. Die Wut, von der wir sprechen, richtet sich gegen ungerechte Strukturen – nicht gegen Menschen. Sie soll in Austausch, Reflexion und konstruktive Veränderung überführt werden. Die klare Abgrenzung von Hass, Ausgrenzung und menschenfeindlicher Stimmungsmache ist dabei zentral.
Eine Einladung, kein Zwang
Wichtig ist uns: Das Motto ist eine Einladung.
Die Brandenburgischen Frauenwochen leben von ihrer Vielfalt – von unterschiedlichen Zugängen, Formaten und Schwerpunkten vor Ort. Jede Veranstalter*in entscheidet selbst, wie das Motto aufgegriffen, interpretiert oder auch ergänzt wird. Eigene Akzente, andere Schwerpunkte und kritische Perspektiven sind ausdrücklich Teil dieses Formats.
Ein vielfältiges Programm, das Menschen zusammenbringt und Raum für unterschiedliche Haltungen lässt, entspricht dem Geist der Frauenwochen – auch und gerade dann, wenn nicht alle in allem einer Meinung sind. Gemeinsame Ziele brauchen keine vollständige Übereinstimmung, sondern gegenseitigen Respekt und Dialogbereitschaft.
Gemeinsam für Gleichberechtigung
Die Brandenburgischen Frauenwochen stehen für Solidarität, für demokratische Werte und für ein respektvolles Miteinander. Wir wünschen uns, diesen Weg weiterhin gemeinsam zu gehen – im Austausch, im Ringen um die besten Wege und im Wissen, dass Gleichberechtigung nur gemeinsam erreicht werden kann.
Denn manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo Gefühle ernst genommen werden. Auch – und gerade – die Wut.
Mehr zur 36. BFW, zum Motto und die Handreichung findet sich hier: „WTF – Wut trifft Feminismus“


