Unter Druck: Warum Gleichstellungsarbeit Schutz und Rückhalt braucht – Zur Studie der Amadeu Antonio Stiftung
Die neue Studie der Amadeu Antonio Stiftung macht deutlich, was viele kommunale Gleichstellungsbeauftragte längst erleben: Antifeministische Angriffe nehmen zu und treffen die Gleichstellungsarbeit im Kern. Bundesweit wurden zuletzt 558 antifeministische Vorfälle pro Jahr dokumentiert, Tendenz steigend.
Doch hinter diesen Zahlen stehen konkrete Erfahrungen. 63 Prozent der befragten Gleichstellungsbeauftragten berichten von direkten Angriffen, viele sogar mehrfach. Anfeindungen, Einschüchterungsversuche und strukturelle Sabotage gehören für viele inzwischen zum Arbeitsalltag. Gleichzeitig sehen 95 Prozent ihre Arbeit durch antidemokratische Entwicklungen bedroht.
Das ist kein Randphänomen. Es ist ein Angriff auf demokratische Strukturen. Denn kommunale Gleichstellungsbeauftragte sind zentrale Akteurinnen für Chancengleichheit vor Ort. Sie setzen gesetzliche Gleichstellungsaufträge um, beraten Politik und Verwaltung, schaffen Angebote und machen Ungleichheiten sichtbar. Wenn ihre Arbeit angegriffen wird, geht es nicht nur um einzelne Personen, sondern um die Frage, wie ernst Gleichstellung in unserer Gesellschaft genommen wird.
Für uns als Frauenpolitischer Rat Land Brandenburg ist die Zusammenarbeit mit kommunalen Gleichstellungsbeauftragten unverzichtbar. Sie sind wichtige Partnerinnen vor Ort, sie kennen die konkreten Herausforderungen in Städten und Landkreisen und sie treiben Gleichstellung praktisch voran. Ihre Perspektiven fließen in unsere politische Arbeit ein und stärken unsere Forderungen.
Die Studie zeigt jedoch auch, dass viele Gleichstellungsbeauftragte ihre Arbeit bereits anpassen müssen. Themen werden eingeschränkt, Veranstaltungen verlagert oder gar nicht mehr durchgeführt. Das ist ein alarmierendes Signal. Wenn Gleichstellungsarbeit aus Angst oder Druck heraus eingeschränkt wird, verliert die Demokratie an Substanz.
Gerade deshalb braucht es jetzt klare politische Signale. Gleichstellungsarbeit muss geschützt, gestärkt und verlässlich finanziert werden. Angriffe dürfen nicht hingenommen werden, sondern müssen als das benannt werden, was sie sind: gezielte Versuche, feministische Errungenschaften zurückzudrängen und gesellschaftliche Fortschritte infrage zu stellen.
Wir stehen solidarisch an der Seite der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Brandenburg und darüber hinaus.
Ihre Arbeit ist unverzichtbar für eine gerechte Gesellschaft. Sie verdient Schutz, Anerkennung und politische Rückendeckung.
Zur Veröffentlichung der Amadeu Antonio Stiftung geht es hier.


